Jenny Beyer
Bio
Choreographies
Tanz und Musik sind wohl das ästhetisch meist diskutierte und historisch umstrittenste Kunstpaar der vergangenen Jahrhunderte. Bis zu seiner Emanzipation, folgte der Tanz der Musik. Seither suchen beide nach Formen, ihr Verhältnis neu zu denken und neue Schichten der Wahrnehmung freizulegen: Musik wird als Bewegung gedacht und Bewegung als Musik.

Das neue Stück DUETT emanzipiert sich von dieser langen Beziehungsgeschichte. Gemeinsam mit Chris Leuenberger, Nina Wollny und dem Komponisten Jetzmann widmet sich die Hamburger Choreografin Jenny Beyer der berührenden und expressiven Wirkung von Musik auf Tanz und macht drei Klavierstücke von Frédéric Chopin zur Grundlage ihrer Choreografie. Die Performer tanzen mit der Musik, aber ebenso zu ihr, gegen sie, vor oder nach ihr. Sie konfrontieren den Pathos klassischer Musik mit der Lust, sich ihr hörend und tanzend zu widmen und schaffen ein fragiles Miteinander von Hören und Bewegung. Wann schmiegt sich der hörende Körper der Musik an und wo entsteht eine Fraktur, bedingt durch das Bedürfnis sich von ihr zu distanzieren, sich von ihr wegzubewegen, ihr selbstständig zu begegnen. Gibt es einen zeitgenössischen Kodex für ein tanzendes Musikhören? DUETT verhandelt die Interdependenz von Tanz und Musik auf dem Gebiet der inneren Regungen, lotet die Analogien und Gegensätzlichkeiten ihrer Ausdrucksbewegungen aus und lädt lauschend zur Frage ein: Wie hört man Musik, wenn man sie sieht und warum bewegt sie den Tanz so sehr?   

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Sweet and Tender Collaborations
Duett
Konzept: Jenny Beyer | Choreographie und Tanz: Jenny Beyer, Nina Wollny und Chris Leuenberger | Musik: Frederic Chopin | Sound Design: Jetzmann | Kostüm: Gesa Troch | dramaturgische Beratung: Anne Kersting, Igor Dobricic | Licht: Henning Eggers | Produktionsleitung: Solveigh Patett

"Duett" ist eine Produktion von Jenny Beyer und Kampnagel, gefördert von der Hamburger Kulturbehörde mit Unterstützung der Dampfzentrale Bern und K3-Zentrum für Choreographie/Tanzplan Hamburg


Premiere 30. April 2014, Kampnagel Hamburg, weitere Vorstellungen: 01. bis 04. Mai 2014 Kampnagel Hamburg, 26. und 27.02.2015, Stadttheater Freiburg

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Teaching
Video
Eine Super8-Filmaufnahme aus dem Jahre 1985 zeigt mich im Alter von vier Jahren beim Tanzen. Ich tanze im Wohnzimmer unserer damaligen Wohnung in Hamburg Poppenbüttel. Ich habe mich für die Aufnahme verkleidet, trage ein weisses Tuch um den Kopf und einen langen weißen Rock. Mein Vater hat ein Bettlaken vor das Bücherregal gehängt. Vor diesem Bettlaken tanze ich. Ich bewege mich schnell hüpfend zwischen der rechten und linken Seite des Lakens hin- und her, meine Hände klatschen einen Rhythmus. Ich breite meine Arme aus, schließe die Augen und neige den Kopf in eine Drehung hinein, meine Arme schwingen auf und ab, meine Hände kreisen in den Gelenken. Wieder fange ich an den Rhythmus zu klatschen, zwischen jedem Klatscher stütze ich meine Hände in die Hüften. Ich tanze zu Musik, die auf der Super8-Filmaufnahme nicht zu hören ist. Ich weiß nicht mehr, zu welcher ich auf dieser Aufnahme getanzt habe, aber ich kann mich an das Gefühl erinnern, das ich als Kind bekam, wenn ich Musik hörte, die mir meine Beine kribbeln ließ. Es war ein Bedürfnis, die Musik mit Hilfe meines Körpers auszudrücken, sie durch meine Bewegung zu spüren, die Energie, die von der Musik ausging, auszuschöpfen. Wenn ich damals Musik von Kate Bush oder der Popsängerin Sandra hörte, Carl Maria von Weberns „Aufforderung zum Tanze“, Tschaikowskys Schwanensee oder Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“, musste ich tanzen.
Jenny Beyer, Oktober 2012

Photos: Thies Rätzke


This is a small audio experience about the relation of dance and music as a preparation for "Duett".
I first tried this audio experience in the context of Kattrin Deufert and Thomas Plischke's Entropic Institute at the K3-Centre of Choreography/ Hamburg in August 2013. This is an adapted version for the web. The audio file includes the prelude no. 15 op. 28 by Frederic Chopin played by Maurizio Pollini.


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